Klischee (P16)

Siesta, den ganzen Tag

Ein heißer Sommertag, 1997, wir hatten eine kleine Finca angemietet, Spanien hat mich immer sehr gereizt. Toreros, die traditionellen Umstände, bipolarisiert meine Begierde, ur-kräftig, die vielen Menschen in der Arena, ein fundamentales Ereignis. Architektur, verwinkelte Gassen, Teruel, weiter abgelegen unser Domizil, wir hatten ein ganzes Wochenende. Wir? Ich war unterwegs mit Jules, dem Maler, mittlerweile hatte er mich schon oft abgebildet, dazu später mehr, an diesem Wochenende ging es um Fotografie und Kommunikation. Nicht das Gegenteil von Malkunst, eine andere Form, die Art und Weise schneller, sie dient uns so gut zur Inszenierung. Gerade die Weisungen gilt es zu festigen, die Atmosphäre, die Stimmungen, das ausgewählte Milieu, alles muss passen. Die Fahrt war begleitet von herrlichem Wetter, das Cabrio verlieh der Landschaft den I-Punkt, Landstraße. Unsere Rast verbrachten wir in einem kleinen Restaurant, leichtes Essen, gutes Wasser, eine Zigarette auf der Terrasse, Gespräche mit Jules waren ja immer sehr zerstreuend, nach einem Espresso fuhren wir weiter.


rosemaria

„Beim Schreiben muss ich ab und zu Pausieren.“


Portraits, spezielle Momente, ich entdecke sie, es freut mich, wir schauen oft. Nach 2 Stunden waren wir endlich auf der Finca, ein ausreichender Pool, unterhalb der Veranda, schönes Naturgemäuer, viele Blumen, ein Garten mit Obstbäumen. Jules brachte die Koffer ins Haus, während dessen machte ich eine kleine Runde durch die Örtlichkeit. Zwischen den Anwesen liegen mindestens 500 Meter, die Siesta scheint in vollem Gange. 18 Uhr wird unserer Vorrat geliefert, bis dahin muss das Plätscherwasser aus den Plastikflaschen von der Fahrt genügen. Die Feuerstelle, der Grill, wir werden heute bekocht, die Modelle für unser Fotoshooting, ein junger Matrose und 2 zierliche Studentinnen, sie werden für den Kursus, von mir in Szene gesetzt. Punkt 21 Uhr, mit schönem „Untergangslicht“, wird vor 5 Anwärterinnen aus Barcelona und Madrid, Kommunikation gelehrt. Dazu werden Leckereien aus dem Meer serviert, feine Spirituosen gereicht, die kleine Kapelle wird uns spanische Melodien kredenzen, wir müssen nun alles vorbereiten!



Es duftet, der exklusive Koch, 2 Bedienungen, Jules der alles aus der Ferne malerisch festhält. 5 Damen aus der Großstadt, die Stehtische weiß verkleidet, enge Kostüme, eintönig gehalten, sexy, etwas Dresscode schadete nie. Champagner, schwerer, blutroter spanischer Wein, etwas Wasser zum verschnaufen. Musik, die 3 Modelle stehen parat, die Beschreibungen der Inszenierung sind wichtig, wir wollen das eine Bild am Ende. Unterhaltungen, etwas Tanzen, die Entourage bemerkt jeden Wunsch, der Fisch und das frische Weißbrot, Olivenöl, wunderbar.


Adam und Eva
Inspiration

Pünktlich 21 Uhr, die Modelle waren nun bereit, die erste Situation wurde vorbereitet. Aufmerksam hörten die 5 Apostel-innen zu, auf die Treppe sollte sich Matis setzen, wenn es die Form erlaubte. Augen, sie treffen, nur ich sprach ab und zu, die Reaktionen in Kombination mit der Musik, es brauchte wenig Anstrengung. Jules  arrangierte Lordes und Zara so, dass der Matrose im Bildzentrum Platz fand. Fast unschuldig sahen die beiden Gelegenheitsmodelle aus, dass die beiden ebenfalls Ballettunterricht nahmen, verband uns, brachte auch die entsprechende Frische ins Bild. Immer wieder Hände, ich umkreiste das Trio, fester, halten, langsam bewegen, immer auf den Rhythmus achten. Als die Situation betörend genug war, konnte fotografiert werden, für eine Collage aus 2 Bildern.


Immer wieder improvisierten wir neue Szenen, die Vorlagen barock, Jules skizzierte bereits die Fotomotivationen, Analogfotografie, das muss man können, ich suchte immer das passende Bild. Staunende, lustvolle Blicke der Gefolgsfrauen, Matis, der Matrose, hochkonzentriert, auf mich.


„Momentaufnahmen, etwas Konzentration, gutes Licht.“

Nachdem jede der „Schülerinnen“ ausgiebig komponiert hatte, ging es auf die Terasse zurück, Plauderein über Matis, seine Disziplin und das vorbildliche Agieren der beiden Hobbymodelle. Berührungen, vorgeschrieben, etwas ganz besonderes, es braucht die Verabredung, das Vertrauen, es braucht uns…


Wir tanzten noch, es war schon dunkel als alle weg waren, Jules lies mich noch etwas Entspannen, die Nacht war schnell vorbei, ein guter Maler.


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Die Collage besteht aus 2 Fotografien

Das übereinander legen der Negative, oder heute noch viel angenehmer zu gestalten, die vielen Möglichkeiten einem Bild Spannung zu verleihen. Wichtig ist das Bild entstehen zu lassen, nicht ordinär, der Kopf muss mitspielen, der Körper tut es fast selbständig, aber eben nur für das Abbild, es ist eine Kunst, unvorstellbar kraftvoll. Gewalt? Die braucht es nicht…


Das Dorf, heute zum Sonntag, belebter als sonst. Werde einen Abendspaziergang machen, in der Kapelle heute Morgen, ich brauche diese Weite, hier auf jeden Fall. Verbote? Ich weiß mich zu benehmen, das Machtwort spreche ich. Wie oft ich in die Augen schaue, großartiges Glänzen, es tut sehr gut… Später lese ich im „ergrauten“ Buch!


für Maria


„Die Fantasie des Mannes ist die beste Waffe der Frau.“

Sophia Loren