Disziplin

Ausfahrt und Gedanken

Ordnung, die Abfolge, Zucht, Gesetz, Moral, Schliff, Muster, all diese Worte, Assoziationen, Verbindungen, er verabschiedete sich gegen 5 Uhr in der Früh, ich schlief bis zum Nachmittag.

„Sehe ich ihn wieder?“

Vieles gewinnt an Bedeutung erst dann, wenn es nicht mehr ist, ungreifbar, fern, weit weg. Fragen entstehen, Erinnerungen, seltene Begegnungen, außerhalb der gewohnten Ordnung. Natürlich geplant, und dennoch, ich hatte schon 7 Stunden nach seinem Verschwinden Sehnsucht. Die Kammer war nicht mehr monogam, sie war besucht, der Schreibtisch erklärte das Mären, ich musste erst-mal raus. In solchen Momenten fuhr ich immer mit dem Wagen, ins Freie, ohne Karte, ohne Ziel, einfach der Bewegung wegen, langsam, ohne Hast, ich kann mir das leisten. Während die Wanne voll lief, trank ich einen Kaffee. Besser gesagt, einen Espresso. Klassisch hergestellt, Alukännchen, Flamme, dunkelstes Schwarz, 2 Teelöffel Zucker.



„War es Zufall? Ich hoffe nicht…“


Heiß das Wasser, es ist schon nach 3, Herbst, Nachmittag, an diesem Ort. Musik? Wichtig, ich begreife immer mehr. Etwas Zeit, die eine Straße entlang, später. Hier fällt es auf wenn ich mich bewege, eine wunderbare Angelegenheit, das kleine Bett, dunkelstes Holz, der Stuhl ebenso, das Kreuz, hier bin ich richtig. Ob er auch an mich denkt? Was bedeutet das überhaupt, an jemanden denken? Keine Ablenkung hier, alles klar strukturiert, keine Exzesse, ob das so ist, ich weiß es nicht. Aufregend!

„Möglichkeiten, Versuche, ich traue mich nicht, wer bin ich eigentlich?“

Es duftet gerade herrlich, ölig, Haut, klassisches Ambiente und diese Musik. Luxus! Was macht mich so sicher hier? Daheim, in Paris, die Kioske, Zeitungen, Schriften, man liest, unbedacht. Antworten auf nie gestellte Fragen, keine Geschichte, Boulevard. Verliebt war ich auch, letztens, gerade 2 oder 3 Jahre her, ich weiß es nicht genau, was bedeutet es schon. Auf den ersten Blick war es, in einer Bar, nicht im Zentrum, etwas abgelegen. Die Frau stand plötzlich im sanften Licht, Rot und Schwarz, ein Blick, kurvig, blond. Immer wieder Blicke, Begegnungen, gesprochen haben wir nicht, köstlich.

Nachdem ich mich abgetrocknet hatte, es war bereits dunkel, hier und da Licht aus kleinsten Fenstern, Gebell, keine Motoren, ich werde leise verschwinden, für ein paar Stunden…


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Im Rückspiegel, die Insel, immer wieder Gedanken, jetzt noch weg? Kurz nach 18 Uhr, auch im Spiegel, Dunkelheit. Lichtkegel, schmale Straßen, zeitlos, noch 60 Minuten, dann bin ich irgendwo.


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Stark der Motor, und ich? Eine Symbiose, Hosenanzug, die Haare streng, dunkler Balsam auf den Lippen, immer bereit für Konvent.

Zwei Zigaretten, angelehnt an das Gefährt, Niemandsland, gegen 22 Uhr war ich zurück. Als ich den Wagen einparkte, im Haus gegenüber, hinter der Gardine, ein Schatten! Oben angekommen, ich lies alles dunkel, langsam ging ich zum Fenster. Kein Schatten, kein Licht hinter der Gardine, hatte ich mir das nur eingebildet?


„Wo ist er gerade?“


Ist es dieses Gefühl, das Suchen, diese Gedanken an ihn? Teuflisch, manches spiegelt Gelesenes wieder, dieser Kontakt gestern, wie eine Brücke, eine Klammer, ich muss aufpassen. Diese Stille hier, Leselampe, ein verbotenes Buch, hatte ich abgeschlossen? Meine Reife, die Erfahrungen, eine Dichtung, die alten Lettern, es ist so gewaltig. Nackt, frische Nachtluft, Verbotenes, die Jahre, das Papier, ein Wald im Rausch.

„Ich denke jetzt an die Dame in Rot und Schwarz.“

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„Blut ist ein ganz besonderer Saft.“

Johann Wolfgang von Goethe