Rastlos

Ich war nie wirklich allein…

Der Morgen am dritten Tag in Rennes, die Nacht war von einem Gewitter begleitet. Sauber die Luft, frisch, einige Minuten genehmigte ich mir den Blick aus dem Fenster in der kleinen Küche. Frühstücken, Kaffee, etwas Toast, ein Weichkäse, etwas Schinken und die Butter mit dem Siegel des Hauses, eingeprägt. 8 Uhr


Lust zu schreiben habe ich, den Vormittag bleibe ich drinnen, ich richte mir’s ein, der Wagen glänzt, das Verdeck nass und dunkler als sonst. 1983, ich war gerade 17 Jahre alt geworden, den ersten festen Freund im Schlepptau, heimlich, Vater nahm mich mit nach Monte Carlo, Formel 1, Technik, Automobile und das Ganze drumherum, seine Welt. Extra aus Deutschland kam er, wir flogen mit einem Freund, Privatjet, Luxus-Tour, ein langes Wochenende im Mai.


„Was macht er gerade? Er war hier…“



1983, 99 Luftballons, Nena, Lets Dance, David Bowie, Words von F.R.David, nur einige der Nummer 1 Hit´s im westlichen Teil von Europa. Gerade an der Musik erkenne ich die Zeiten, die Stimmungen, hinter den Bühnen, ganz besondere Orte.


(Bei 33:54 Min, meine Lieblingsstelle) – für ihn!


Eine kleine Kurve flogen wir, herrliches Wetter, unzählige Boote, enge Häuserschluchten, Hotelanlagen, die Straßen, das Flair, Luxus ohne Ende.

Nach weicher Landung, Abholung am Steg, mit einem Taxi ging es in die Unterkunft. Menschen, Autos, Stau, einige Umwege, etwas Fußmarsch, gehobene Gesellschaft, Empfang mit einem Gläschen Champagner, auch ich durfte… Pierre, mein Freund, 19 Jahre war er jung, Beruf Sohn, aber nicht langweilig, Madame wusste von ihm, sie brachte mich immer zu ihm, er wohnte in Saint Tropez. Sicher hätte es ihm gefallen, Madame, ich und er, in Monaco, aber Vater war streng, mit 17 traute ich mir nicht einmal zu fragen, so selten war er da, es hätte gar nicht gepasst, ein Jahr noch, dann bin ich 18!


„So nah, Welten! Merci…“


Ich erinnere mich an den Abend, fürstliche Audienz, große Tafel, Madame holte mir immer was vom Buffet, ich lies mich gern auch mal bedienen, die runden Tische, Musik. Die ganze Stadt im Rennfieber, Ansprachen, Termine, Vater blätterte in der Zeitung, ein Sonderdruck zum Rennen, mit detaillierten Beschreibungen der Boliden, Informationen zu den Rennfahrern. Eine Welt, der Rennzirkus, mir war klar wie privilegiert ich bin, im Umschlag die Ausweise für alle Bereiche, nicht übertragbar, inklusive aller Services.


auto
Oft denke ich zurück!

Am Tag des Rennens, Madame, der Vater lief vorneweg, Boxengasse, die Fahrer, Boxen-Luder, Motorengeräusche, etwas Hektik, Kameraleute, Reporter, laute Durchsagen, konzentrierte Blicke. Hätte ich damals Autogramme gesammelt, die Fotografie gab mir mehr, gerade blätter ich in den Erinnerungen. Werbung, der Sonnenschirm, gehalten vom Personal, kristallklares Wasser aus Plastikbechern. Der Start rückte immer näher, die Spannung stieg ins unermessliche. Schauspieler, Künstler, Sportler und reiche Interessierte, beeindruckend dieses Publikum. Im VIP-Bereich verbrachten wir die Zeit des Rennens, feine Speisen, unaufdringlich angeboten, das laute Geheule, Bremsgeräusche und immer wieder Hubschrauber, Ausnahmesituation, Event.


montecarlo
Keke Rosberg gewann das Rennen, beeindruckend.

Abends ließen wir, weit draußen auf dem Meer, den Tag ausklingen. Die Jacht war groß, der Sonnenuntergang einmalig, meine Gedanken bei Pierre.


Nach dem Mittagessen lag ich noch etwas, am späten Nachmittag ging ich durchs Dorf, was ich da erlebte, später…


für Maria


„Es ist eine Schwäche der Männer, Frauen gegenüber stark erscheinen zu wollen.“

Hildegard Knef