Arkanum

Oft sieht man sich zweimal.


Pro salute omnium!

Der letzte Tag hier in Rennes, spät schlief ich ein, der Zettel, die Erinnerungen, wie schnell verging die Zeit!? Keine Träume, Tiefschlaf, gut, anders. Wie verabredet frühstückte ich mit der Hausherrin. Während wir das Omelette mit Steinpilzen zu uns nahmen, immer wieder Fragen,  sie wollte wissen was ich fühle, welche Gedanken mich beschäftigen. Aufgewühlt, etwas verwirrt, viele Fragen auch in mir, dieser Ort tut weh, tut gut, ist nicht normal. Bin ich normal?


„Er erwartet Sie Maria!“

Es war genau 8 Uhr, gemeinsam räumten wir den Tisch ab, den Abwasch, das Tuch, in den Schrank das Geschirr. Sie schaute mich an, ohne dass ich die Frage beantworten sollte, Maria., Sie wissen doch wo Sie sind hier? Der Dr., er möchte Ihnen etwas sagen, einige Informationen geben, lassen Sie sich das nicht entgehen, Ihr letzter Tag heute!


Nachdem die alte Dame mir den Treffpunkt mitgeteilt hatte, 12 Uhr am Friedhof, begab ich mich hinauf in die Kammer. Wie üblich nahm ich das morgendliche Bad, blickte zu meinen Füßen, dreiviertel von ihnen schauten aus der Schaumdecke, aufgelegt am Wannenrand, wunderbar. Wäre ich in Paris, eine Vorfreude, grenzenlos, hier, etwas gemischter meine Gemütslage. Reize, etwas Schauer, der Himmel zugezogen, kalt wird es sein, Wind.

Planen, will endlich erfahren, mein „Hexendasein“ krönen, die Vollkommenheit erlangen, endlich!



1333 Geschichte, ein ganz besonderes Buch. Geheimschrift und Grundlage für das Schreiben.

10 ausgewählte Bücher!

Aus dem Kühlschrank nahm ich den Käse, einige Tomaten, Butter, Salz. Zusammen mit Brot und notwendigem Werkzeug, tat ich alles in meinen Picknick-Korb. Den guten Wein, Wasser, Tücher.  Im Bademantel, am Fenster, die Zigarette schmeckt, straff bin ich, frisch.



Gelesen habe ich viel, dieser Ort, Verbindungen, Deutschland, Italien, Frankreich, Europa. Alte Schriften, unabhängig, Madame vererbte Stille, keine Kettenbriefe. Was erfahre ich, bekomme ich die Antwort, ist er es vielleicht sogar selbst? Dankbar der Klosterschule, dieses Kribbeln, es holt mich wieder ein, der kleine Junge, die vielen Reisen, für Geld musste ich nie viel tun, ist das Glück?


Enge Hose, formgebend, die halbhohen Stiefel, passendes Hemd, meinen Mantel, Nägel schwarz, die Strenge geschminkt, gebunden das Haar. Halb 12 saß ich im Wagen, Schritttempo, Musik, Inszenierung, Macht! Düstere Welt, Erotik, eine Mischung, er wird zufrieden sein, hoffentlich!


Hoch gelegen, das alte Gemäuer, Gräber, er wartete bereits…


Rennes-Le-Chateau
Wie weit mag das wohl sein?

Begrüßung, keine Menschenseele, wir fuhren nach kurzem Plausch aus dem Ort hinaus.


Höchstens eine Stunde, an einem Waldrand, 2 Bänke, überdacht, ein Tisch.

Was ich Ihnen sage Maria, Ihre Fragen, Ihr Blick, es gibt Verbindungen, im Kopf, der Geist, verstehen Sie bitte. Madame Chevalier (Hausherrin), den Zettel hat sie ja überreicht, er ist wichtig, bildet praktisch die Ausgangslage. Gefühle, in dieser Art und Weise, unvernünftig, brutal. Es ist an der Zeit, Ihre Leidenschaften, der glückliche Umstand, dass Sie unabhängig sind, mich treibt die Zeit, der Geist ist wach. Ihre Erbstücke, das Lesewerk, nicht viele Frauen hatten das Privileg, diese Art von männlichen Ergüssen zu studieren, Gratulation! Und?


„Es erklärte natürlich alles, ich brauchte ihn ja, es war mein Wunsch…“


Überlegen Sie gut Maria! Gefahren, Hindernisse, bedenken Sie immer, wenn jemand etwas Böses tun will, dann tut er dies. Radikal, vom Grunde her Veränderungen, dies ist kein Spaziergang. Auf der Flucht war er, die Frau hieß ebenfalls Maria, schwanger, verliebt waren sie. Unterschlupf fanden die Beiden in Rennes-Le-Chateau, bei einem alten Ehepaar. Damals wurde noch nicht zum Gebet geläutet, man lebte ohne fremde „Hilfe“. Alles verleugnen, unentdeckt bleiben, unschuldig, ledig, hier, verstehen Sie? Macht, ohne Verstimmungen, ohne Trieb, das funktioniert nur homogen, angepasst. Der Körper, losgelassen, Sie wissen was ich meine, die Sucht, Sexualität! Was reizt Sie Maria? Das Verbotene, das Geheimnisvolle, Verstecktes, die Unbegreiflichkeit, es gibt Dinge, denen fehlt sogar der Begriff! Interpretieren Sie bitte, wer möchte verbieten, die Lust an der Strafe, wissen Sie eigentlich wie viele Ihnen folgen? UNS? Ich weiß dass Sie mich verstehen Maria!


Rennes-Le-Chateau, alles was ich Ihnen sage, behalten Sie es für sich...
Verstehen Sie bitte!

„Mein Körper bebte!“

Verbinden Sie, sie suchen, versuchen, schweigen Sie im richtigen Moment! Unsere Zeichen sind verständlich, es braucht keine Erklärungen!


Ein schneller Nachmittag, Gläser hatte ich vergessen, aus der Flasche den Edeltropfen, Gedichte, Geschichte, lange Passagen über den Tod, das Sterben, Psychologie, erzeugte Geistlosigkeit und die Dynamik von Krieg. Es macht süchtig ihm zuzuhören, auf der Rückfahrt, Dunkelheit, die Insel vor uns…


Am Friedhof lies ich ihn Aussteigen, bevor er die Tür schloss, ein letzter Blick, Lippen, kein Lächeln…


„Sie werden alle wiedersehen!“


Er lief wieder auf den Friedhof, Kapuze, kein Blick zurück. Langsam fuhr ich, rückwärts, lenkte ein, er war weg…


Wieder oben in der Kammer, ich bat Madame Chevalier dazu, Kennenlernen, Ritual. Diesmal war es mein Finger, auf meinen Lippen. Kerzenschein, meine Nacktheit irgendwann, die Arme ausgestreckt, die Beine offen, auf dem Fußboden lag ich vor ihr, Spannung, Intimität. Mit trockenem Rotwein lies ich mich einreiben, Hitze, Farbe, wie Blut, sie verstand es sofort, Reife, Weiblichkeit, das Pure, wortlos legte sie sich zu mir, Atem, Symbiose…

„Morgen!“

für Maria


„Der Frau bleibt kein anderer Ausweg, als an ihrer Befreiung zu arbeiten. Diese Befreiung kann nur eine kollektive sein.“

Simone de Beauvoir

(Das andere Geschlecht)
Gute Nacht! Morgen geht´s zurück, nach Paris!