Umkehr

Auf dem Weg zu mir!


Kurz nach 9 Uhr bin ich losgefahren, Miss Chevalier bereits außer Haus, der Himmel bedeckt, kalt, kein Wind. Erst um 13 Uhr schaltete ich mein Telefon ein, hatte alle gebeten gar nicht erst zu versuchen mich zu erreichen. 5 bis 6 Stunden Fahrt noch, Paris wartet nicht, nach einer Minute flatterten die Nachrichten auf´s Phone. 2 von meinem Sohn, er bereist gerade Südostasien, allein, einige Fotografien, Ferne. Versuche mich zu kontaktieren gab es auch, vor 3 Tagen, eine gute Freundin aus Deutschland, nennen wir sie Gabriela, 4 Jährchen älter als ich, super-reich. Mehr nicht! 10 Kilometer fuhr ich noch, dann nahm ich die Abfahrt, ich hatte Hunger, ein bekanntes Restaurant, etwas abgelegen, da wollte ich hin. Kurzer Fußmarsch, eine Gasse, eng, geöffnet, die Tafel bat mich herein.


Beim zweiten Versuch erreichte ich Gabriela, das Timbre ihrer Stimme lies schon erkennen, irgend etwas ist passiert. Nicht dass sie großartig aufgeregt, nervös wäre, die Umstände sind es, das ganze Drumherum. Sag schon, hat es was mit ihm zu tun? Ja, ich lass mich scheiden Maria, ich möchte Dich sehen, es gibt viel zu tun, will mit Dir sprechen, brauche deine Hilfe, Tipp´s, du weißt schon… Ich will es wissen! Jetzt!


Ich nehme die Bouillabaisse, eine Flasche Wasser, etwas Brot, Danke. Bloß keine Zeitung lesen, Gabriela will es endlich, ich kann es verbinden, möchte geben, so, dass sie am Ende unbezahlbar sagt. Großartig war die Suppe, eine Zigarette, den Espresso vom Chef persönlich überreicht, etwas Plausch. Montags fast leer die „Location“, die üblichen Verdächtigen aus dem Ort, familiär, fast privat, Merci.


„Die Worte des Meisters, Gabriela will es!“

Irgendwann in den 80ern, ich hatte endlich die Fahrerlaubnis, nachts durch Paris, es gab Bezirke, menschenleer, kaum Autos an den Rändern, Kontrast. Musik, ziellos, hier und da Rasten, der Blick über die Stadt, Geschichten, Träume. Die letzten Tage, das Konzentrat, ich gönnte mir ja einiges, was fehlte eigentlich damals, hat überhaupt ein Fehlen statt gefunden? Herr Dr. fehlt mir, obwohl er so nah ist, Wahnsinn!

Identitäten, in mir, welche, wie viele, ich bin schon ganz schön ich. Gabriela, du gehörst mir! Den Stadtrand erreichte ich gegen 19 Uhr, halbdunkel, beginnende Hektik, ein erster Anruf kündigte sich an. >Ja, oh, Frau Richter, ich bin zurück…< (Zufall???)


„22 Uhr am Père-Lachaise-Friedhof, Sie wissen wo!“

Natürlich weiß ich wo, es drehten sich unsere Bitten und Gebete, die Neigungen und Schwächen, immer auch um die Ewigkeit. Zu Hause frischte ich mich auf, wandelte durch die Wohnung, der erste Schluck Wein, Gemälde, im 6. Stock, mein Blick in ein ruhiges Viertel, keine Insel, nur „Meer“. Von hier aus eine halbe Stunde, ich bestellte das Taxi für 21 Uhr, das Cabriolet lies ich abholen, es gibt immer sicherere Orte. Madame schenkte mir, zu meinem 18. Geburtstag, ein Amulette, die Silhouette einer Burg in Transsilvanien, eingraviert, unser Zeichen auf dem Deckel ebenso, Silber.

Ich begab mich etwas früher hinunter, ein über 100 Jahre alter Fahrstuhl, Stahlgitter, Geräusche, schwere Seile, verschnörkelte Zahlen und Buchstaben, alles noch am Leben, Luxus.


Paris leere Straßen in der Nacht
Alles anders, welches Jahr schreiben wir?

Bonsoir, Guten Abend Madame! Wir fädelten uns in den Nachtverkehr, Schiefermütze, Zwirbelbart. Der Glanz, Lichterketten, die Nacht beginnt, nach fast 50 Minuten stieg ich aus, bezahlte durchs Fenster und lies mir vom Nachtportier das Tor zum Hof aufschließen.


„Sie wissen wo?“

Ja, ist sie schon da? Er nickte, ich setzte meine Kapuze auf, zog die Lederhandschuhe straff, das Telefon auf stumm, Schatten, überall. Sandig, die Feuchtigkeit, wunderbare Gehgeräusche, hohe Tannenbäume, es duftet, ab und zu eine kleine Kerze. Chopin, Moliére, Oscar Wilde, Jim Morrison, was für ein Abend, die kommende Nacht, hier trifft sich die halbe Welt, unsere Welt! Aufladen, diese Spannung, Schritte die tragen, meine Fäuste, unser Marsch. Nach 5 Minuten bog Madame Richter in den Weg und lief schweigend mit mir Richtung Treffpunkt.


„Es beginnt jetzt…!“


Lange Gespräche, eine Reise, zu viel um es jetzt kurz zu fassen. Gabriela, der Herr Dr., das letzte Wochenende, die Mission. Sortieren, Reisevorbereitungen, Deutschland, Europa, langsam ahne ich, er ist es, ich wusste es!


Paris Freidhof Tour Molierre Grab
Ob es Liebe ist?

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„Eine Frau ist wie ein Teebeutel – du kannst erst beurteilen, wie stark sie ist, wenn du sie ins (heiße) Wasser wirfst.“

Eleanor Roosevelt

 

Das Kreuz, nur das Kreuz! (33) Verstehen Sie bitte...  
(Es war leer)