Beisammensein

Eine kleine Wintergeschichte, so aus der Laune heraus.

Der erste Schnee…


Ein ungeplanter Ausflug, Wiedersehen...

Ungeplant, spontan, wir sind nach Harachov in Tschechien gefahren, der Meister wollte den ersten Schnee an einem ganz besonderen Ort erfahren. Als wir ankamen, oben, in der Baude, ein Freund erwartete uns schon, Knistern im Kamin, Kerzenschein, das Grammophone, Gemütlichkeit, der Punsch leitete den Abend ein…

Geschichten, rundum glaubhaft, ein Traum? Irgendwann begann er zu erzählen, wie damals, geballte Kraft, ein Wintermärchen… #echt

Was hat Verstehen mit Verstand zu tun?

Er richtet Grüße aus… Viel Vergnügen! Es ist Liebe…


 

T. M.

Kurzgeschichte

„Eine Wintergeschichte“

Einleitung

Der Wind pfeift, er weht am Fenster vorbei, da draußen…

Man könnte glauben es sei ein Sturm, so laut ist dieses Fauchen ab und an. Wir schreiben das Jahr 2014, Dezember, morgen ist der heilige Abend. In mir drin? Sehr viel, fast zu viel möchte ich sagen, Gedanken, Erinnerungen und eine jungfräuliche Hoffnung, die so zart ist, dass ich kaum Mittel finde sie zu schützen. Eine etwas gedämpfte Gemütslage kann ich nicht verleugnen, die plakative Weihnachtsstimmung der Konsumabteilung steht im Kontrast zur eigentlichen Laune hier in Dresden. Die Seelenlage, welche ich empfinde und aufnehme, die ich spüre, stark…

Nun möchte ich mit Euch oder mit Ihnen eine Reise zurück machen. In meine (unsere)Kindheit, in die Jahre 1979 / 1980, ich war da gerade 5 Jahre alt…

Liegau Augustusbad

Eisblumen zieren die alten Holzfenster bei Großvater in der guten Stube. Gern hauche ich etwas warmen Atem daran, dieses Spiel imponiert mir und lenkt mich ab. Es ist bitterkalt draußen, der kleine Ofen arbeitet ohne Pause. Immer wieder werden Kohlen und Holzscheite nachgelegt und nur im äußersten Notfall ist es gestattet die Tür zu öffnen. Wir sitzen beisammen, seit 2 Tagen ist der Strom ausgefallen, in alten mit Emaille beschichteten Eimern steht das Wasser zum Kochen bereit. Es ist der Schnee den Vater immer wieder holt, der Brunnen ist zugefroren und zu nichts mehr zu gebrauchen. Der Wind heult uns etwas vor, die Kälte lässt ihn lauter als sonst erscheinen. Eine bedrohliche Stimmung, kein Wort der Vorfreude, leise sitzen wir da und hoffen. Tiefer Schnee bedeckt die Felder und Wiesen, welche sich um das abgelegene Haus herum breit machen, die Raben sitzen stumm auf den kahlen Obstbäumen, Winter. Heftiger Schneefall, die Flockengröße wechselt stündlich, kreuz und quer, dann wieder für ein paar Momente grader Fall. Entferntere Häuser stehen unter den dichten Rauchschwaden ihrer Schornsteine, ab und zu kann ich sie erkennen. Ein Jahrhundertwinter gibt ein Gastspiel, beherrscht ganz Deutschland und führt eine strikte Regie, gnadenlos. Wo ist nur die Landstraße, die, welche von Liegau – Augustusbad nach Lotzdorf und weiter nach Radeberg führt? Sie ist nicht mehr zu erkennen, hohe Wehen stehen drohend im weißen Meer, wie eingefrorene Wellen, extrem…

Langsam kommt der Abend und Opa zündet sich die nächste Zigarre an…

Im dichten Qualm sitzen wir am Tisch und hören die krächzenden Radiostimmen aus dem batteriebetriebenen Radio. Diese berichten von den katastrophalen Umständen, hin und wieder ein Weihnachtslied, Stimmung. In Gedanken sind wir bei Mutter im nun so fernen Radeberg, einem kleinen Ort mit einer Brauerei, Schulen, einem Küchenmöbel-Werk namens Eschebach und einer großen Elektronikfirma die Robotron heißt. Wir können nicht anrufen, ein Telefon gibt es erst einen halben Kilometer entfernt. Und selbst wenn, zu Hause in Radeberg haben wir auch keins und ohne Strom, aussichtslos. Andere Zeiten, andere Umstände…

Abweichend zur Normalität überfliegen uns nun stündlich die schweren russischen Hubschrauber, welche im Regelfall Dienstags und Donnerstags die Gegend sichern. Es sind große Hubschrauber, mit Tragflächen, sie kündigen sich schon von weitem an. Morgen ist der 24. Dezember, heiliger Abend, Rituale werden gepflegt, ein Brauchtum das es braucht. Alle sind freundlicher, sinnlicher und im Fernseher läuft Winnetou, Märchen an die man glaubt und bunte Unterhaltungssendungen mit Stars auch aus dem Westen. In diesem Jahr ist alles anders, man ist damit beschäftigt die Naturkatastrophe zu überstehen. Vieles was sonst Weihnachten bestimmt, ausmacht, ist nicht wichtig, ist aufgeschoben auf unbestimmte Zeit. Nun kommen Dinge wie Zusammenhalt, Freundschaft und Solidarität, Gemeinschaft und Optimismus ins Spiel. Alle rücken gefühlt dichter zusammen und sind doch so weit auseinander, dass man Angst bekommt. Die Naturgewalt kennt keine Grenzen, kennt keine Religion und auch keinen Idealismus oder die hochgepriesene Ideologie. Die Angst der Mutter könnte etwas passieren ist größer, ein starkes Gefühl. Großvater erzählt von den anstrengenden Zeiten im Krieg. In Russland war es kalt, er noch ein halbes Kind, aber schon stark genug zu kämpfen, zu töten? Ich bin mir da nicht sicher, aber er war ja da. Die vielen Fotografien erklären die Sache an sich und verklären doch so sehr den Blick. Großvater musste es erleben, handeln und Entscheidungen treffen. Täglich, Gehorsam, Drill und eingestampftes „abgestumpft-sein“. Hart, zu hart, erfroren die Füße, das halbe Ohr und dennoch so in seiner abenteuerlichen Erzählweise packend, dass auch diese Zeit mir seit dem nicht aus den Erinnerungen entkommt. Es ist faszinierend wie er es erzählt, er durchlebt es sicher tausendfach. Mit jedem Blick zum Fenster hinaus, das viele weiß, überall gleich. Stalingrad…

Vater hingegen macht sich Sorgen, möchte losgehen – am Besten gleich. Immer wieder schaut er durch den Nebel im Zimmer auf die laut tickende Uhr. Es ist 19 Uhr, die Nachrichten laufen, Unglücksberichte aus der ganzen Republik. Genau in diesem Moment bricht es aus ihm heraus, Vater nimmt mich in den Arm und weint. Ein herzliches Weinen, ich umarme ihn und weine ebenso, es ist das erste Mal dass ich ihn so erlebe. Einer der wenigen Momente die so sehr berühren und durch nichts zu ersetzen sind in der Sozialisierung. Es ist wie eine Erlösung von angestautem Frust und Traurigkeit. In einer wie auch immer gearteten Hoffnungslosigkeit platzt es heraus. Alles ist sehr langsam, der morgige Tag ist so weit weg und birgt so viele Gefahren.

Sehnsucht nach Mutter…

Großvater, nicht gerade verständnisvoll für diese Art der Gefühlsduselei (seine Worte), verlässt in bezeichnender Form die gute Stube. Er ist sehr mitgenommen und zieht sich zurück, hat es nie gelernt Gefühle zu zeigen, die weichen, die wichtigen – gerade in solchen Momenten. Heute verstehe ich ihn sehr, ich habe nie danach gefragt, aber seine Kindheit war wohl keine im jetzigen Sinne. Ihm fehlte so viel was ihn später niemand mehr beibrachte, gab – aber das geht ja auch gar nicht.

Irgendwann, es dauerte nicht sehr lange, kamen der Großvater und die Großmutter mit dem Abendbrot. Es gab heißen Tee, Brot von irgendwann und frische Butter, Salz und eine gerade gekochte Mehlsuppe. Gemeinsam aßen wir und Großmutter breitete ihre Sorgen um die Tochter aus. Sicher waren wir hier an einem viel gefährdeteren Ort als Mutter in dem Altbau mitten in der Stadt. Nein, es ging um andere Dinge in diesem Fall. Um die Gefühle, das Alleinsein, die Einsamkeit und Ungewissheit in der sich Mutter gerade befindet. Großvater machte nach dem Essen einen Vorschlag.

„Ich denke es ist gut wenn ihr es versucht. Wenn es morgen nicht schneit, geht los, nehmt den Schlitten und fahrt über die Felder, den Leichenweg entlang nach Radeberg. Wenn ihr in der Früh losmarschiert seit ihr spätestens Mittag zu Hause.“

„Gut, wir gehen morgen in der Früh los. Großmutter wird uns etwas Brot, Tee und Dauerwurst mitgeben. Der Sturm ist deutlich zurück gegangen. Hoffen wir dass es nicht mehr schneit. Lasst uns nun schlafen gehen.“

Kaum ausgesprochen begaben sich alle in ihre Betten. Vater und ich schliefen in dem verrauchten Zimmer, wie die letzten zwei Tage schon. Schnell schliefen wir ein und hörten immer wieder in der Ferne Hubschrauber, dieses schwere, dunkle Peitschen der Rotoren, ich hab es nie vergessen.

Der Wind säuselte nun leise und das Knistern aus dem Ofen ging dem taktlos zur Hand. Kein Traum der schöner sein konnte als dieses geborgene Gefühl im Warmen zu sein.

Heiliger Abend

Es ist der 24. Dezember, Vater ist schon draußen und macht die Einfahrt etwas freier. Keine Flocke weit und breit! Es ist das Geschenk des Himmels. Großmutter deckt den Frühstückstisch, der Ofen wird nochmals angeheizt und Vater kommt herbei und freut sich über die besseren Witterungsverhältnisse. Schnell essen wir alle 4 und erzählen uns was wir uns wünschen. Nun ist die Weihnachtstimmung da, auch wenn die morgendliche Mehlsuppe nicht an den festlichen Akt eines weihnachtlichen Morgenmahls erinnert… Aber genau dies ist vielleicht der Grund warum man es umso stärker fühlt, dieses glückliche Gefühl nach Hause zu können, die Mutter zu sehen und als Familie beisammen zu sein. Nach dem Frühstück packten wir alles in den alten Rucksack von Großvater. Es ist nicht auszuschließen, dass es der war, den er auch in Russland geschleppt hatte. Er war zäh und bot ausreichend Platz für das was mitzunehmen war. 2 Kannen mit Tee, etwas Speck und das Brot, welches wir beim Frühstück wegließen. Ebenso eine Decke und fettige Salbe für die Stellen, die nicht durch Kleidung geschützt sind. Eine gute Auswahl an Kleidung, dick und dennoch mit der nötigen Beweglichkeit, eine lange Unterhose aus Feinripp, etwas zu groß, drei Paar Socken, die dicke Stoffhose und ebenso eine ausgewählte Jacke und Pullover, welche sonst immer kratzten. Umarmungen gab es kurz, ein fast drohendes passt auf euch auf vom Großvater und die Tränen der Großmutter, die ihn nun wieder alleine aushalten durfte. Beide standen, dies war äußerst selten, am großen Fenster des Vorbaus, als Vater den Rucksack auf den Schlitten verfrachtet. Als wir uns in Bewegung setzten, gerade 20 Meter vom Haus entfernt, waren sie schon verschwunden. Großvater stand am Fenster der kleinen Stube, Zigarre rauchend und zaghaft winkend. Ich möchte nicht wissen was in diesem Moment in ihm vorging, wo auf dieser Welt seine Gedanken waren. Es war ja nicht möglich ihm Bescheid zu geben, dann, wenn wir zu Hause ankommen, oder wenn etwas unterwegs passiert. Nein, dies ging so nicht und macht deutlich, wie viele Sicherheiten heute genutzt werden könn(t)en, um dem Gefühl der Angst und der Machtlosigkeit zu entgehen oder wenigstens etwas Dampf zu nehmen. Die geahnte Straße die am Haus vorbei lief überquerten wir und gingen in Richtung Wald. Nach einem Kilometer drehten wir uns nochmal um, winkten in der Annahme dass Großmutter und Großvater uns hinterher schauten. Fast bis zu den Knien steckten wir im Schnee. Die schmalen Kufen des Schlittens taten nichts wirklich Hilfreiches, sodass Vater irgendwann den Rucksack auf den Rücken packte und den Schlitten schleppte. Sehr kalt, eiskalt war es, je mehr wir liefen umso knackiger wurde es. Eine trockene Kälte, um die minus 20 Grad, ich war teilweise bis zum Gürtel im Schnee und Vater musste mich wieder heraus ziehen. Mit jedem Schritt wurde es anstrengender…

Nach einer Stunde ungefähr konnte ich nicht mehr. Gerade mal so weit dass wir den Leichenweg erreicht haben, wir sahen selbst das Haus des Großvaters noch. Vater schaute und holte den Tee, er gab mir eine Tasse und ich schlürfte den heißen Aufguss in mich hinein. Langsam wurde mir wieder etwas wärmer. Vater lies in weiser Voraussicht und aus dem Instinkt heraus, seine sonst üblichen Grundsatzreden stecken und zeigte auf ein altes Schild in etwa 200 Metern Entfernung.

„Theodor, da ist der Weg etwas flacher denke ich, da ist er geschützt durch die Bäume. Ab da ziehe ich dich ein Stück. Wir müssen weiter. KOMM.“

Ohne ein Wort zu sagen ging ich ihm hinterher, er war sehr aufgeregt, ich spürte es. Stumm liefen wir hintereinander. Nach einer Viertel-Stunde waren wir an dem Schild. Der Weg war wirklich weniger mit Tiefschnee bedeckt, der Schlitten stand nun stabil. Fast schämend setzte ich mich auf ihn. Ruckartig und immer wieder in kleineren Schneewehen feststeckend, ging es langsam vorwärts. Am Himmel kündigte sich durch ein hallendes, peitschenartiges Geräusch, wieder ein Armeehubschrauber an. Nicht sehr hoch, nein eher bedrohlich niedrig schwebte dieser Riese über uns hinweg. Es fing wieder an zu schneien, kleine Flocken, aber sehr dicht. Schwer lies er sich ziehen, der Schlitten, mit welchem Großvater schon die Berge rings um Radeberg herunter gerodelt ist. Einige Male fiel er mit mir um, dann wurde er wieder von Vater getragen. Ich lief nun beständig und ein wenig abwesend, wie neben mir und ungläubig der Situation gegenüber, durch den tiefen Schnee. Es schneite und auch Wind setzte wieder ein. Wir gingen nun dicht neben einander, keine Menschenseele der wir begegneten. Der Atem war deutlich zu hören, wir gingen Wege, die man nur in solchen Momenten findet, sie prägen ein Leben lang.

Rehe hier und da am Waldesrand, Hasen die jedes mal wenn sie im Tiefschnee versanken, diesen aufwirbelten. Einige hatten das Glück so abgemagert zu sein, dass ihr Gewicht nicht ausreichte, die dünne Eisschicht zu durchbrechen, diese liefen mehr, als dass sie sprangen. Sicher ohne Ziel, sicher nicht mehr sehr lange. Weiß, rein und ohne Schnörkel gab sich die Landschaft dem Winter ergeben und lies alles über sich ergehen. Nun ist Radeberg nicht mehr weit, man kann den Kirchturm im Zentrum der Stadt schon sehen, erahnen, erhoffen, eine bekannte Silhouette. Grünlich schimmert bei besseren Sichten die Spitze über allem was die Dächer dieser Stadt an Farben zu bieten hat hervor. Heute, alles weiß, nur die bekannten Orte werden gefunden, unscheinbar und ohne harte Kanten, im dichten Reigen der verwandelten Wassertropfen. Meist schauen wir nur bis 2 Meter vor unsere Füße, nur zur Orientierung und Richtungsänderung werden die Blicke weiter, ab und zu bleiben wir erschöpft stehen, ahnen, sehen.


eine wintergeschichte a german mind

Eine Malerei als Cover der englischen Version.

Gerade als wir den Wald kurz vor den Gartenanlagen erreichen, ertönt in der Ferne die Glockenarie des Kirchturmes, den ich bereits eben beschrieb. Viele werden sich da in diesen Zeiten versammeln und beten, ohne zu hinterfragen oder abfällig darüber zu sprechen. Es ist der Sinn und die Grundlage des Überlebens in so aussichtsloser und mit nichts wirklich zu begegnender Zeit. Unwirklich und dennoch so real, wie es nur möglich ist, wird nun vielen klar worauf es ankommt. Die Gärten sind zugeschneit, der Schnee liegt wie er fiel und nur der Wind und auch der Sturm kümmerten sich noch um dessen Verteilung. Noch schwerer als im freien Felde, noch tiefer und überwältigender in seiner Kampfeslust, bäumt er sich auf. Wir müssen da durch sagte Vater und wie ein Wilder versuchte er die Berge zu erklimmen. Nichts half, er versank so tief und hatte dennoch nichts Festes unter den Füßen. Ein Umweg, oder besser ein Ausweg musste her. Wir kannten uns da aus, Heimat, es ging nur durch den Wald, um die Gartenanlage herum. Deren Name fällt mir übrigens nicht mehr ein, ihr Bekanntheitsgrad manifestierte sich eher durch die Klientel, die einen solchen Garten abbekam. Egal, oder was weiß ich, in diesem Moment waren auch die nicht auf der Datsche. Ein Wald mit viel Gehölz, Gestrüpp und mal hoch mal runter. Es würde dauern, aber die Sicht war hier ausnahmsweise klar, kaum eine Schneeflocke erreichte den Boden. Immer wieder Klettereinlagen, Ausrutscher, wenn man nicht konsequent aufpasste. Meine Beine waren schwer, mir war kalt um die Nase und da half auch der warme Tee nicht mehr. Nach einer reichlichen Stunde waren wir an der Straße, welche rechts weiter nach Dresden führt, endlich in der Stadt, in Radeberg.

Vorbei am Stadion des Einheitssportclubs, an den neuen Häusern und endlich auf etwas geräumten Wegen. Wenig los, es ist nun schon halb 2, ich sitze auf dem Schlitten und bin kurz vorm Einnicken. Klugerweise hält Vater mich aber durch absichtliches Zerren am Schlitten wach, er ist sichtlich erleichtert als wir die Zivilisation erreichen. Mit der letzten Kraft, ein Schneeschieber wedelt den feinen Schnee in unsere Richtung, kommen wir um 2 zu Hause auf dem Hof an. Niemand ist unten, wir sind geschafft und freuen uns angekommen zu sein. Der Schneefall wird wieder stärker und die Kälte wird etwas nasser. Abgestellt auf Hochkant wird der Schlitten dieses Wetter bis morgen vor dem Haus aushalten müssen. Bis in die dritte Etage hoch, die Steintreppen und dann noch die paar Holzstufen bis zur Wohnungstür. Vater lässt den Gong ertönen, Mutter öffnet von innen und weint als sie uns sieht. Alle sind nun am Weinen, die Sachen werden schwer, vor dem Kachelofen im Wohnzimmer taut selbst der hartnäckigste Schneekristall.

„Zieht euch aus, ich setze einen Topf Wasser an. Dann könnt ihr später Baden. Ich lege euch die trockenen Sachen zurecht, bin froh euch zu sehen. Heiliger Abend, Gott sei Dank!“

Worte von Mutter die ich so nie vernahm. Ich war noch nicht alt, aber um dies zu verstehen, bedarf es nur wenig, es waren unüberlegte, nicht zurecht gelegte, ehrliche Worte, die ähnlich des Ofens für eine wohlige Wärme sorgten. Der Kitzel in den Fingern, das Ziehen in der Nasenspitze, die vielen Strapazen sorgten nun für die Sensibilität, das alles wahrzunehmen. Gemütlich eingemummelt saßen wir beieinander am Tisch, die ganze Familie. Semmeln, bestrichen mit Butter und Salz, dazu noch warmer Kakao. Bis heute ist dies fester Bestandteil unserer Weihnachtsrituale. Wir erzählen uns Geschichten was wir erlebt haben. Selbst dass der Weihnachtsbaum nicht stattfand, tat dieser weihnachtlichen Stimmung keinen Abbruch. Später schauten wir noch fern, das Programm war zu Weihnachten immer sehr tauglich. Es verstärkte diese Momente und lies uns am Leben. Zum Abend, der große Kessel war heiß gekocht, lies Mutter in der Küche die Wanne ein. Ja, in der Küche hatte Vater mit Hilfe von Kollegen die Wanne installiert. Bei Nichtbenutzung, also in der meisten Zeit, diente sie abgedeckt mit einer hölzernen Platte als Abstelltisch für vielerlei Sachen…

So war das damals und jeder der es miterlebte wird das ein oder andere kennen. Es prägt diese Zeit sehr, man lernt zu schätzen, was einem wichtig ist. Nun ist auch hier schon das Weihnachtsfest vorüber. Es hat endlich geschneit und wir waren mit unserer kleinen Familie schon Schlitten fahren. Es war ein besinnliches Fest, für uns, im kleinen Kreis.

Die Erinnerungen gebe ich weiter, es sind meine und ich liebe sie. Es ist das Leben und Erleben, das Wissen und Erkennen von den Sachen die wertvoll sind…

Ende!


Der Punsch, die gute Stimmung, Harachov ist eine Reise wert! Grüße an alle die den Verstand aus dem Verstehen gebildet haben, der Rest ist Geschichte!

Bis bald…


Am Sonntag fahre ich zurück, nach Gotha...

Meisterhexe Maria und der Doktor…

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.“

Marlene Dietrich

Signale und Symbole - Skull and Bones - Original