Plauderei

Angeln oder Fischen Mademoiselle?

Bewegungen, Blicke, eine Räumlichkeit, Madame…

Spät ist es geworden, durch die Unpünktlichkeit eines Anschlusszuges, hatte ich einen ungeplanten Aufenthalt, meine Gedanken, bei Ihnen! Auf dem Bahnhof vorhin, ein kurzes Telefonat mit Herr Doktor, museumsreifer Münzfernsprecher, dieses Knistern im Ohr, wie damals… Er sprach von Blicken, einer Begegnung, verheimlichen Sie mir etwas?

Roter Samt, sanftes Licht im Gang, die Leselampe, auf dem Tisch ein Fläschlein, Rauchen darf ich auch, ein verständnisvoller Zugbegleiter! Erst in 2 Stunden der nächste Halt, ich liebe Nachtzüge, allein bin ich nicht, das Fenster spiegelt gutmütig…

Haben Sie die Zeichen entdeckt?

Magdalena Z.

Abwesenheit, in Begleitung, ein Bekanntheitsgrad, unwirklich, der trübe Blick, nach Innen und Außen. Die Anzeichen öffentlich, was sucht sie? Magdalena erkannte sofort, eine mögliche Anwärterin, aber wie macht sie sich unauffällig bemerkbar? Als die Dame ersten Ranges irgendwann aufstand, in dem kleinen Café, in Richtung Toilette lief, Magdalena tat es, ging ihr nach. Am Tisch vorbei, der auffällige Begleiter ließ an seinem, wahrscheinlich allgemein gültigem Interesse, in Richtung Damenwelt, auch bei ihr keine Zweifel aufkommen. Das kühle Lächeln von Madame verstand er sicherlich falsch…

Toilette

Von den 2 gemütlichen Nischen war eine besetzt, Rot, welch passende Kulisse für die erste Kontaktaufnahme, Magdalena nahm Platz.

Stille…

Über die kleinen Lautsprecher wird die Musik aus dem Café aufs stille Örtchen geleitet, kuschelig warm, sauber, die Preise ließen nichts anderes erwarten. Der Deckel stabil, Anlehnen möglich, die Hose ließ Magdalena oben, die Spitze ihres linken Schuhs blitzte ins Nachbarabteil, eine gemütliche Atmosphäre, Spannung.

„Warum verfolgen Sie mich?“

Die raue tiefe Stimme der bekannten Fremden, Fragen, keinerlei toilettentypische Geräusche, Konversation auf engstem Raum. Die 2 Zentimeter starke Kunstholzplatte, die sie trennt, eine Mauer ist das nicht.

„Sie interessieren mich, warum weiß ich auch nicht, aber sie ist da, diese Lust, verzeihen Sie bitte, aber ich hab ja nicht ahnen können, dass es Sie stören würde Gnädigste! Wenn ich mich in Ihnen getäuscht haben sollte, sagen Sie es ruhig, los, ich warte…“

Kühles, leises Lächeln, der Doktor hat bei Magdalena ganze Arbeit verrichtet, charmante Dominanz, eine weiblich angehauchte Burschikosität, wie zärtlich sie doch ist, in ihrer fordernden Art, es kürzt ab, gibt Struktur.

„Woher kennen Sie mich?“

„Ich kenne Sie nicht, also nicht so, wie ich es gern täte, verstehen Sie das?“

„Nein!“

„Ab wann wird Ihr Tischpartner denn misstrauisch? Sie sehen nicht aus, als wären Magen-Darm-Probleme der Grund dieses Besuches hier, aufs Runterspülen, im allgemeinen Sinne, können wir beide verzichten, oder? Was fehlt denn? So eine Freiheit wie hier, unmöglich da draußen, oder…?

„Schon gut, geben Sie mir Ihre Telefonnummer, ich rufe Sie an, irgendwann…“

Magdalena nahm ihren kleinen Notizblock aus der Handtasche und schrieb die Telefonnummer ihres Heimanschlusses drauf. [Täglich ab 20 Uhr erreichbar – Ich freu mich]

„Erwarten Sie aber nicht zu viel!“

„Sie werden es nicht bereuen…“

Magdalena lies sich 10 Minuten Zeit, bevor auch sie die Toilette wieder verließ. Das Pärchen hatte zu diesem Zeitpunkt das Café bereits verlassen.

Herr Ober, noch einen Kaffee…!

Midnight in Paris (2011), Films That Will Transport You to Paris


für Maria